Über refo

Geboren 1962 wuchs ich in friedlichen Wohlstandszeiten auf. Erste Warnsignale gab es zwar 1974 mit den autofreien Sonntagen, die im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt standen, den ich damals aber nicht verstand. Ebenso wenig wie den Hintergrund der Flugzeug-entführungen durch die PLO. Und auch der „Deutsche Herbst“ 1977 war für mich eher eine Räuber-und-Gendarm-Geschichte, denn ein deutscher „Ausnahmezustand“.

Erst in den 1980er Jahren überfiel uns – wir waren ja viele! – eine Endzeitstimmung: Ronald Reagan, der dem „Reich des Bösen“ mit der Auslöschung drohte, die drohende Stationierung von Atomraketen direkt vor der Haustür, der atomare Endschlag war eigentlich nur eine Frage der Zeit…

Doch dann kam Tschernobyl, das uns zeigte, dass auch die „zivile“ Nutzung der Atomenergie zum grenzüberschreitenden GAU führen konnte. Es waren ähnlich frühlingshafte Tage wie derzeit, an denen wir uns nicht nach draußen trauten, weil die atomare Kontamination weder sichtbar noch riechbar war und doch überall lauerte… Und die Tschernobyl-Katastrophe wurde letztlich durch „Helden“ in Grenzen gehalten, die ihren heroischen Einsatz mit dem Leben bezahlten.

Wie im Film fühlten wir uns, als im November 1989 der so lange Zeit als ewig geltende „antifaschistische Schutzwall“ einfach in sich zusammenbrach. Wir saßen fassungslos vor den Fernsehern – das Internet befand sich noch in den Kinderschuhen – und konnten es kaum glauben, bis die ersten „Ossis“ bei uns auftauchten und/oder wir die so lange gefürchtete Grenze ohne Problem überqueren und gar im ehemaligen Todesstreifen spazieren gehen konnten.

Der Wiedervereinigungseuphorie folgte dann der Schock des 11. September 2001: Bei den ersten Bildern vom Angriff und der Zerstörung des Twin-Tower dachten wir noch an einen Hollywood-Film. Doch so allmählich wurde uns klar: Das war Realität, und wir standen am Rande eines neuen „Weltkriegs“. Der beschränkte sich in der Folge zwar „nur“ auf Afghanistan und den Irak, die „Achse des Bösen“, doch KRIEG war auch für uns etwas „Normales“ geworden. (Nicht zu schweigen von den blutigen KRIEGEN auf dem Balkan in den 1990er Jahren).

Und bis in die letzte Zeit blieb die Kriegsgefahr rund um den Nahen und Mittleren Osten zu einer der großen Sorgen.

Ab 2018 schaffte es aber auch – wieder – die Klimakrise in die Schlagzeilen, Greta Thunberg sei Dank. Und auch hier zeichneten WissenschaftlerInnen ein düsteres Bild der Zukunft, doch damals – wie lange ist das eigentlich schon her?? – folgten die PolitikerInnen den dringenden Ratschlägen der WissenschaftlerInnen nicht, sondern eher den Einflüsterungen der Kohle- und der Autoindustrie.

Umso verwunderlicher, dass in Zeiten des Corona-Virus PolitikerInnen den Ratschlägen der WissenschaftlerInnen folgen, auch wenn etwa die Autoindustrie schwer darunter leiden musste.

Die Angst vor einem unberechenbaren und unsichtbaren Virus scheint stärker zu sein als die Angst um eine Zukunft der Menschheit.