Vorbild China??

Corona-Krise: Verordnete Distanz: Mittagspause in einer Autofabrik im chinesischen Wuhan

Adam Soboczynski in der ZEIT vom 3.4.2020

„Mittlerweile zeigt sich in dieser Krise überdeutlich, auf welches Abenteuer sich der Westen mit der angeblich alternativlos voranschreitenden Globalisierung eingelassen hat. Zur „Werkbank der Welt“ hat sich ausgerechnet die gelenkte Wirtschaft eines leninistischen Regimes gemausert, die uns nicht nur mit netter Technik und billigen Konsumgütern massenhaft versorgt, sondern eben auch mit systemrelevanten Produkten, mit Medikamenten, mit Atemmasken, mit Schutzkleidung, um die sich Amerikaner und Europäer bis aufs Blut streiten. Es ist offenkundig noch nicht ausreichend ins kollektive Bewusstsein gerückt, mit wem man es eigentlich zu tun hat: […] Mit einer autoritären Kaste, die Manager, Intellektuelle, Blogger und Künstler über Nacht verschwinden oder im Staatsfernsehen Selbstanklagen zelebrieren lässt wie zur Blütezeit der Sowjetunion; mit einem Regime, das die Internetzensur meisterhaft beherrscht, das digitale Sozialpunkte an seine Bürger verteilt und so die Reisefreiheit reguliert. Die Machthaber sind klug genug, nach außen ein menschliches, ein tolerantes Antlitz des Sozialismus zu präsentieren, was in Europa, das von der Abneigung gegen Trump blind beseelt ist, auch durchgeht.

Aus der Ausrichtung ausnahmslos aller Glieder des Staates, die wirtschaftlichen Akteure eingeschlossen, auf die Kommunistische Partei wird in China übrigens kein Geheimnis gemacht. Wie Lenin geht auch Xi davon aus, dass die Massen von einer Avantgarde erzogen und gelenkt werden müssen, und das gelingt mit einer raffinierten Dosis von Zuckerbrot und Peitsche leider derzeit wunderbar. Denn neben den klassischen rohen und doch eher unbeliebten Methoden wie Verhaftungen, Folter und Denunziationen vermag das Reich mit seinem digitalen Leninismus die Knebelung mit biopolitischen Anreizen und kleinen Belohnungen für das kollektive Wohlverhalten anzureichern: Wer hat sich brav an die Quarantäne-Vorschriften gehalten? Wer ist rechtschaffen? Wo wohnt der nächste Infizierte, den ich geschickt meiden sollte? Das zeigen Apps an. Und das Volk, derart motiviert, macht mit. Es gibt, sagte Heiner Müller einmal, einen Grad an Unterdrückung, der als Freiheit empfunden wird. Und es erstaunt vielleicht nur auf den ersten Blick, dass auch in westlichen Ländern Ausgehverbote durchaus als befriedigende Gemeinschaftsleistung gerühmt werden, fast so, als sei der neue Gehorsam insgeheim schon lange herbeigesehnt worden.“

https://www.zeit.de/2020/15/china-machtpolitik-einfluss-coronakrise-digitaler-leninismus/komplettansicht

https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-daniela-schwarzer-deutschen-gesellschaft-fuer-auswaertige-politik-1.4866260

Sieht so die Zukunft aus??

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